Reiseberichte

Auf dieser Seite berichten wir über die vergangenen Workshops, aufschlussreichen Seminare, beeindruckenden Laufreisen und zahlreichen Events, die wir gemeinsam erlebt haben.

Ein auf und ab durch die Alpen - Sabine Koenig über den Swiss-Alpin-Marathon

Sabine Swissalpine

Die Gotorunnerin Sabine Koenig lief Anfang September zum wiederholten Male den Swiss-Marathon in der Schweiz. In ihrem Erlebnisbericht erzählt sie von den Höhen und Tiefen sowohl die Strecke betreffend, als auch ihr Befinden über die 42,195 Kilometer durch die Alpen.

 

Es war ein tolles Rennen und ich bin durchaus zufrieden. Zwar war ich mehr als 20 Minuten langsamer als im letzten Jahr, aber es war auch schwieriger.

Einerseits plagt mich immer noch meine Hüfte. Jedes Mal, wenn ich loslaufe, humpel ich eine Weile vor mich hin, bis es sich löst. Ich hatte keine Ahnung, ob sie den ganzen Lauf durchhalten würde. Ich war früh am Start und bin immer wieder ein bisschen hin und her getrabt, um möglichst warm zu sein. Beim Start bin ich erst mal gehumpelt, aber wie immer hat es sich gelöst und ich konnte beschwerdefrei laufen.

Gefühlsmässig habe ich mich stärker gefühlt als letztes Jahr und ich war mir sicher, schneller zu sein. Erst am höchsten Punkt auf dem Sertig Pass habe ich realisiert, dass ich langsamer bin und nie im Leben die 5:31h vom letzten Jahr schaffen werde. Vielleicht hat mich der Regen, Wind und eiskalte sieben Grad beim Aufstieg doch mehr behindert als ich dachte. Und der nasse Untergrund, die rutschigen Felsen, Schlamm, Schneefelder und auch Matschpassagen in den Hochalpinen und eh schon schwierigen Gelände, haben vielleicht auch dafür gesorgt, dass ich dieses Mal langsamer sein sollte. Vielleicht waren die Beine durch das Hüftproblem doch nicht so stark wie ich dachte. Genau kann ich es nicht sagen.

Aber ich habe mich gut gefühlt. Am blödesten fand ich wieder den Anfang. Drei Kilometer auf flachem Untergrund. Dann kamen elf Kilometer, gut zu laufende, Feldwege bergauf aber bis auf einige Passagen noch nicht ganz so steil. Das meiste war gut laufbar. Bei Kilometer 14 kam der letzte Außenposten der Zivilisation. Dann geht's nur noch auf Single Trail steil bergauf zum Scaletta Pass. Endlich mein Terrain! Es lief super! Hab zwar vor Kälte meine Hände nicht mehr gespührt und hatte Gedanken an Bergsteiger, denen die Finger abgefroren sind, aber so richtig erschüttert hat mich das Wetter trotzdem nicht. Hilft ja nix, ich muss ja hoch auf den Berg. Also möglichst fix, dass es bald rum ist. Vier Kilometer und 600 Höhenmeter später dann der erste Pass. Der Scaletta auf etwa 2600 Meter. Der größte Anstieg war geschafft. 

Dann ging es auf einem wunderschönen, holprigen alpinen Panorama-Trail erst ein Stück bergab und dann wellig hoch und runter am Bergrücken entlang. Hier gab es wieder Schneefelder, Matsch, abgerutschter Weg, z.T. mit Seilen gesichert. Ich habe gemerkt, dass ich trittsicherer geworden bin. der Part hat mir richtig Spaß gemacht! Bin dort auf eine Frau aufgelaufen mit ähnlichem Tempo und wir haben lange Zeit super Teamwork gemacht! Dann ging's wieder bergauf und der Pfad schlängelte sich nach oben. Ich kam ich zum höchsten Punkt: Der Sertigpass auf 2.739 Meter. 25 Kilometer waren geschafft. 

Dann kam der Teil, vor dem ich am meisten Angst hatte. Vom Sertigpass, genauso hochalpin und steil in Serpentinen wieder runter. Ich bin das schon dreimal gelaufen und dieser Part war in meinem Hirn als "schrecklich" eingemeißelt. Am Samstag fand ich's gar nicht schlimm. Sonst hab ich da immer Schlange gezogen und musste die Leute vorbei lassen. Diesmal war ich auf der Überholspur! Mensch, mein Training war echt perfekt! Es lief super!

Irgendwann geht der Pfad dann in einen normalen Feld- und Wiesenweg über. Letztes Jahr bin ich da mit 4:30 runtergebrettert - das ging dieses Jahr nicht. Da hab ich ganz klar die Hüfte gespürt, daher bin ich etwas verhaltener gelaufen. Dass ich nicht annähernd 5:30h schaffe, war da eh schon klar, also war's egal. Zumindest war es inzwischen wieder warm und sonnig und ich war wieder aufgetaut.

Ungebremst in den Verpflegungsstand Sertig Doerfli reingerauscht und nochmal gut verpflegt, wusste ich was jetzt kommen sollte. Die letzten elf Kilometer sind zäh. Zwar tendenziell bergab, aber immer wieder Anstiege, die mit den müden Beinen weh tun. Lange Zeit wieder Wald und wieder wurzeliger Single Trail. Ich bin so oft über Wurzeln gestolpert, dass es ein Wunder ist, dass ich mich nicht auf die Nase gelegt hab.

Aber zum Glück muss man sich so sehr konzentrieren, da vergeht die Zeit schnell.

Endlich die letzte Kurve steil bergab, raus aus dem Wald, rauf auf die Davoser Strasse. Noch einmal rechts abbiegen und dann sieht man schon die Fahnen am Stadion wehen - so schön! Ich musste an Diana denken, wie sie hier mehrfach als Siegerin angeschossen kam. Mein Gerenne sah sicher nicht mehr so dynamisch aus. Ja und dann die Zielgerade auf der Stadionbahn untermalt von der euphorischen Begrüßung durch den Stadionsprecher. Es war einfach toll! Und zum Glück war es in Davos warm und sonnig, so dass wir noch lange dort verweilt sind und die schöne Atmosphäre genossen haben!

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